© Eckehart Reiß

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Das Geheimnis des Trafos:
Ein Leserkommentar


Sehr geehrte Damen und Herren,

über Geschmack kann man bekanntlich trefflich streiten, so auch über die Neubauten an der Brücke und die Neugestaltung des Freundschaftsplatzes. Ich habe mal eine Ansicht aus alten Zeiten angefügt (im Internet zu finden unter: www.slubice.de/rossmarkt, aber nicht aus Frankfurter, wie der Dateiname vermuten läßt. Diese alte Postkarte stammt von 1960 aus Słubice! Wer es nicht glaubt, links das gelbe Vorfahrtsschild beweist es. Dieser Anblick bot sich mir 1965 und er hat mir gut gefallen. Bemerkenswert, was an Häusern alles noch stand. Eine Platzgestaltung kann also auch mit einfachen Mitteln wie man sieht, durchaus attraktiv sein.

Die ehemalige (Kaiser) Friedrichstraße, die Sie immer etwas abwertend als "Zigarettenstraße" bezeichnen, finde ich nach der Umgestaltung als Fußgängerzone gelungen. Die neuen "Straßenbauwerke" - siehe oben! Zu einem früheren Thema der gegenseitigen Straßenbenennungen. Es gibt nun auch offiziell den Frankfurter Platz in Słubice. Das Ereignis habe ich nach dem Hinweis der Redaktion in Augenschein genommen. Das Ergebnis ist enttäuschend für mich und hat die gleiche Alibi-Funktion, wie das Drama der Słubicer Straße bei uns. Eine historische Trafostation hat nun eine Anschrift.

Historisch ist der Trafo wirklich. 1945, als die zerstörte Überlandleitung von Finkenheerd zum Frankfurter Haupteinspeisepunkt Umspannwerk Ost im Pulverweg 9 (heute ul. Konstytucji 3. Maja) diesen unwirksam machte, war die Stadt kurzzeitig ohne Strom. Ein Ersatzweg aus Richtung Fürstenwalde schloß die Lücke, aber nur für die Weststadt des nunmehr geteilten Frankfurt. Der Damm saß weiter im Dustern. Der Schlosser Franz Kaczmarek aus der Großen Fruchtstr. 18, heute ul. Żeromskiego, ein Mitarbeiter des Frankfurter Elektizitätswerkes, durfte als "Spezialist" im Zuge der Vertreibung nicht gehen. Seine Vermutung über die zu erwartende Stadtteilung veranlaßte ihn im Mai 1945, sein Hab und Gut auf die andere Seite zu seinem Bruder zu bringen. So wurde er Opfer unter umgekehrten Vorzeichen. Er "drehte das Ding" im Auftrag der Polen mit seinen Kollegen von der andern Oderseite noch vor der Absegnung durch die Besatzungsmacht. Das ganze Ortsnetz mußte gedreht werden und so wurde dieser Trafo der neue Haupteinspeisepunkt für Słubice. Das neue Kabel kam über die Holzbrücke dorthin. Alle Arbeiten wurden vom Frankfurter E-Werk noch im Spätsommer 1945 ausgeführt. Der Preis: Zwei Schweine wechselten das Oderufer von Ost nach West. Ein Zeitzeuge, mit dem ich kürzlich sprach, war als junger Mann an den Arbeiten beteiligt. Nachdem ich ihm von dem Preis erzählte, sagte er lachend, er habe sich damals sehr gewundert woher sein Chef plötzlich zwei Schweine hatte. 1.10.2004

Freundliche Grüße

Eckard Reiß