© Ragnar Knittel: Promenade

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Das Restaurant Stadtwappem -
russische und deutsche Küche.


(xan) Irgendwo zwischen Berlin und Moskau, auf dem Weg von der Viadrina zur August-Bebel-Straße steht neben einer Ruine und einem grell schimmernden Orthopädiegeschäft ein Haus. Der Putz bröckelt, die Wohnungen stehen leer, über dem Eingang ein Schild: "Speisegaststätte Stadtwappen", unter der Aufschrift "Futtern wie bei Muttern" hängt eine Klarsichthülle, darin die Notiz: "Neu: deutsch-russische Küche".

Was unscheinbar bis rustikal daherkommt und den gemeinen Frankfurter aufgrund eines vermeintlich schlechten Rufes abschreckt, präsentiert sich nun in neuem, alten Anlitz. Betritt man das Lokal, glaubt man zuerst sich verlaufen zu haben, aber hier ist man genau richtig, wenn man bisher auf der Suche nach ungekanntem Flair vergeblich durch die Lokale dies und jenseits der Oder irrte. Valerij und Irina Grigoriev bieten in der Fürstenwalder Straße 32 delikate Salate an, sie füllen schmackhafte Teigtaschen und kochen wohlduftende Suppen.

Dabei fehlen in der Karte weder die russischen Klassiker "Moskauer Salat" (mit Eiern, Kartoffeln, Wurst und vielem mehr) und "Venigrette" (ein Salat aus Roten Rüben, Kartoffeln, Gurken und Möhren), noch Spezialitäten, wie die mit Fleisch gefüllten Blätterteigtaschen "Tschebureki", deren Rezept aus dem Kaukasus stammt, oder den mit Spinat oder Käse gefüllten Piroggen. Die Pelmeni sind hier noch von Hand zubereitet und schmecken wie bei jener sagenhaften Großmutter, die in den stereotypen Weiten der russischen Föderation in einem Holzhaus auf einem mit Birkenscheiten beheizten Ofen kocht.

Die Wirtsleute versuchen nach und nach die deutschen Räumlichkeiten zu erobern und einer sanften Slawisierung zu unterwerfen, ohne damit aber ihr Stammpublikum zu verstoßen. Dieser Prozess beginnt mit einer freundlichen, gemächlichen Bedienung und kommt zu seinem vorläufigen Höhepunkt, wenn zur Suppe ein Holzlöffel gereicht wird (der in keiner ostdeutschen Küche fehlte, dort aber so gut wie nie benutzt wurde). Den Wirtsleuten ist anzumerken, dass sie keine gelernten Gastronomen sind — die Speisen sind dennoch vorzüglich. Irina und Valerij Grigoriev strahlen in ihrem Lokal eine familiäre Güte aus, die man in den Kneipen der Umgebung vergeblich sucht.

Die Atmosphäre der Gaststätte ist filmreif, sie schwankt zwischen stillem DDR-Muff, dem Grölen eines Zonenrandbesäufnisses, zarter Aufbruchstimmung und gewöhnlicher Melancholie.

- Öffnungszeiten: Mo-Fr 11-15 & 18-23 Uhr, Sa-So 14-24 Uhr
- Adresse: Fürstenwalder Str. 32, Telefon: (0335) 280 09 44