© Ragnar Knittel: Promenade

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Schöne Aussichten an der Oder-
die Welt von Słubice aus betrachten.


(xan) Ein warmer Sommerabend. An der alten Oder sind alle Bänke belegt - junge Słubicer sitzen dort zu zweit oder in kleinen Gruppen - sie blicken auf die Häuser in der ulica 1. Maja und beobachten die Spaziergänger. Die Oder liegt hinter ihnen im Dunkeln. In der Ferne die nächtliche Silhouette Frankfurts. Von hier wirkt es wie eine Großstadt - noch ist Licht in den Hochhäusern zu sehen, die sich über der Halben Stadt erheben. Unter Linden geht man auf dem Damm entlang in Richtung Polenmarkt, bis man ein weißes Zelt erreicht, das direkt am Ende des einstigen Nebenarms der Oder liegt, der heute Yachthafen heißt, obwohl dort nur einige Schiffe der Wasserschutzpolizei und Schlepper mit Schutt der demontierten Stadtbrücke liegen.

Vor der Warszawianka stehen lange Tische und Bänke. Neben einem Lastwagenfahrer aus Litauen sitzen dort ein Automechaniker, eine Köchin, ein Bauarbeiter und ein Arbeitsloser aus Słubice beisammen. Sie sind versunken in eine Diskussion über die Nachteile des polnischen EU-Beitritts. Auf einer anderen Bank sitzen deutsche Studenten und trinken ein Bier mit Blick auf den Hafen, in dem sich die Leuchtschrift des Oderturms spiegelt. Jerzy Kirej, der Betreiber der Warszawianka steht im Zelt hinter der Theke und bietet Bier, Pommes Frites und Brojler an. Er ist stolz über seinen neuen Projektor, der es ihm erlaubt , Filme in digitaler Qualität abzuspielen und Sportveranstaltungen live zu übertragen.

Unter der Woche ist es in der Warszawianka verhältnismäßig ruhig. Erst am Freitag Abend, wenn zum Tanz gespielt wird, füllt sich das Zelt mit zweihundert, dreihundert Menschen. Zu polnischer Schlagermusik, die live mit einem Keyboard produziert wird, wird getanzt, bis die Polizei kommt. Die Ordnungshüter mag Jerzy Kirej nicht, da er sich immer wieder über ihre Anweisungen hinweg setzt. Aber der Wirt macht sich nichts daraus und reguliert die Lautstärke etwas, damit sich die Anwohner nicht beschweren können. Das Fest geht weiter — bis der letzte Gast den Weg nach Hause gefunden hat. Manchmal bleibt auch einer unter dem Tisch liegen. Besonders stürmisch geht's in der Warszawianka zu, wenn die bulgarische Kapelle spielt, die auch auf dem Großen Basar und an der Brücke tätig ist.

Für Besucher aus Frankfurt, bietet die Warszawianka einen wunderbaren Ausblick auf ihre Stadt, ein rustikal-gemütliches Ambiente, volkstümliche Preise und die Chance ein gutes Stück Słubice zu erleben. Derzeit werden alle Spiele der Fußballweltmeister- schaften live (mit polnischer Moderation) übertragen. 21.6.2002