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(xan) Ein warmer Sommerabend. An der alten Oder sind alle
Bänke belegt - junge Słubicer sitzen dort zu zweit
oder in kleinen Gruppen - sie blicken auf die Häuser
in der ulica 1. Maja und beobachten die Spaziergänger.
Die Oder liegt hinter ihnen im Dunkeln. In der Ferne
die nächtliche Silhouette Frankfurts. Von hier wirkt
es wie eine Großstadt - noch ist Licht in den
Hochhäusern zu sehen, die sich über der Halben Stadt
erheben. Unter Linden geht man auf dem Damm entlang in
Richtung Polenmarkt, bis man ein weißes Zelt erreicht,
das direkt am Ende des einstigen Nebenarms der Oder
liegt, der heute Yachthafen heißt, obwohl dort nur
einige Schiffe der Wasserschutzpolizei und Schlepper
mit Schutt der demontierten Stadtbrücke liegen.
Vor der Warszawianka stehen lange Tische und Bänke.
Neben einem Lastwagenfahrer aus Litauen sitzen dort
ein Automechaniker, eine Köchin, ein Bauarbeiter und
ein Arbeitsloser aus Słubice beisammen. Sie sind
versunken in eine Diskussion über die Nachteile des
polnischen EU-Beitritts. Auf einer anderen Bank sitzen
deutsche Studenten und trinken ein Bier mit Blick auf
den Hafen, in dem sich die Leuchtschrift des Oderturms
spiegelt. Jerzy Kirej, der Betreiber der Warszawianka
steht im Zelt hinter der Theke und bietet Bier, Pommes
Frites und Brojler an. Er ist stolz über seinen neuen
Projektor, der es ihm erlaubt , Filme in digitaler
Qualität abzuspielen und Sportveranstaltungen live zu
übertragen.
Unter der Woche ist es in der Warszawianka
verhältnismäßig ruhig. Erst am Freitag Abend, wenn zum
Tanz gespielt wird, füllt sich das Zelt mit
zweihundert, dreihundert Menschen. Zu polnischer
Schlagermusik, die live mit einem Keyboard produziert
wird, wird getanzt, bis die Polizei kommt. Die Ordnungshüter
mag Jerzy Kirej nicht, da er sich immer wieder über ihre
Anweisungen hinweg setzt. Aber der Wirt macht sich
nichts daraus und reguliert die Lautstärke etwas,
damit sich die Anwohner nicht beschweren können. Das
Fest geht weiter bis der letzte Gast den Weg nach
Hause gefunden hat. Manchmal bleibt auch einer unter
dem Tisch liegen. Besonders stürmisch geht's in der
Warszawianka zu, wenn die bulgarische Kapelle spielt,
die auch auf dem Großen Basar und an der Brücke tätig
ist.
Für Besucher aus Frankfurt, bietet die Warszawianka
einen wunderbaren Ausblick auf ihre Stadt, ein
rustikal-gemütliches Ambiente, volkstümliche Preise
und die Chance ein gutes Stück Słubice zu erleben.
Derzeit werden alle Spiele der Fußballweltmeister-
schaften live (mit polnischer Moderation) übertragen.
21.6.2002
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