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Gutman & Co. -
unterschwellige Spuren in Słubice.


(mjh) Seit 57 Jahren will Słubice so polnisch sein, wie es nur geht. Die Straßennamen sind klassische Zungenbrecher für alle Deutschen, dazu sind sie noch ideologisch gefärbt, wie wohl in keiner zweiten Stadt in Polen. Ja, selbst die Straßenführung wurde zur Unkenntlichkeit verändert. Ganz Słubice macht den Eindruck, als ob es nie deutsch gewesen wäre... Ganz Słubice? Nein, ein paar Kanaldeckel und Litfaßsäulen leisten auch nach fast 60 Jahren Widerstand. 'Kanaldeckel und Litfaßsäulen'? werden Sie fragen. Ja! Geht man gesenkten Hauptes durch die Stadt, kann man an manchen Kanaldeckeln immer noch den Schriftzug "Kanalbauamt - Frankfurt a.O. - A. Gutman" deutlich ablesen. Während die Gullis aus der polnischen Zeit meistens eine ovale Form haben, und die Aufschrift "Wegierska Górka" tragen, trotzen diese großen, viereckigen Deckel der Geschichte und den Veränderungen. Ja, sie sind sogar häufiger in Słubice zu finden, als in Frankfurt. Denn die Frankfurter Gullis stammen wunderlicherweise meistens aus Kaiserslautern (schauen Sie hin!). Auch wenn die Eisengießerei von Gutman sich in der früheren Dammvorstadt befand, erklärt es nicht diesen 'unterschwelligen Revisionismus'.

Und was hat es mit den Litfaßsäulen auf sich? Habt ihr euch jemals ihre Form genau angeschaut (vielleicht ausgenommen der Zeit nach dem letzten Text zu dem Thema)? Das sind Pickelhauben, eines der einprägsamen Symbole der Preußenzeit! Sehr verwunderlich, dass auch diese deutsche Spur übersehen wurde.

So bleiben immer noch einige deutsche Spuren in Słubice, unerkannt und nicht aufsehenerregend. Sie sind da und warten, und trotzen jeder politischen Konjunktur. 9.7.2002