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(xan) Was tun in den Sommermonaten, da durch die Stadt der Staub weht und
jeder vernünftige Mensch bereits das Weite suchte? Wer nicht nach Berlin
flüchet, landet am Helenesee. Aber auch die schöne Helene wird den
interessierten Frankfurter Stadtmenschen eines Tages mit Langeweile strafen.
Was dann? Ein Blutbad im Kreise der Mitangestellten anrichten die
Konsequenzen sind abzusehen. Ein Geiseldrama in der Universitätsbibliothek
inszenieren es sind zu wenige Studenten da, als das sich ein solches
lohnen würde. Einen Banküberfall auf die Frankfurter Sparkasse mit
anschließender Flucht auf die Krim planen wer weiß, wieviel Geld in den
Tresoren der städtischen Bank lagert.
slubice.de & frankfurt.pl empfiehlt deshalb den kontrollierten
Grenzübertritt: Mit einer Badehose und einem Handtuch im Gepäck sollte auch
die Zollkontrolle ohne Komplikationen zu passiert sein. Zu Fuß erreicht man
das Słubicer Stadtbad, das zum Komplex des 1926 errichteten Ostmarkstadions
gehört, und heute vom Sport- und Erholungszentrum OSiR betrieben wird,
innerhalb von 20 Minuten. Auf dem Weg über den Damm eröffnet ein schöner
Blick auf die ehemalige Frankfurter Altstadt. Am Großen Basar kann man sich
bei Bedarf noch mit den nötigen Utensilien ausstatten. Von 10 bis 18 Uhr
bietet das Stadtbad Plantschen bis zum Abwinken. In mitten von dutzenden
Słubicer Kindern kann man auch eine Bahnlänge schwimmen. Springen von den
Seitenrändern ist verboten. Ein kleiner Turm lädt erfahrene Springer zur
Präsentation ihrer Fähigkeiten ein. Da das Schwimmbad direkt in das Stadion
integriert ist, die Eiche, die vermutlich noch aus deutschen Zeiten stammt,
aber auf der anderen Seite des Spielfeldes steht, gibt es kein Entrinnen vor
der prallen Sonne.
Wem es hier zu heiß oder zu laut sein sollte, sei empfohlen, sich mit dem
Fahrrad auf den Weg gen Osten zu begeben. Die Straße, die am Stadion
vorbeiführt, heute ulica Sportowa, frührer Am Hängebusch, endet in einer
Gablung, an der man sich links halten sollte. Nun führt ein Weg vorbei an
sandigen Hügeln über das Feld, auf dem einst die Schlacht von Kunnersdorf
tobte. In zwei Kilometern Entfernung ist schon die Mühle von Drzecin zu
sehen. Hier kann man ein erfrischendes Bad im See nehmen oder auch reiten.
Der Betreiber verlangt für die Nutzung des ruhigen Strands zwei Zloty. Ein
langer Steg führt in den künstlich angelegten Badesee. Vor dem Krieg gab es
hier noch keine Bademöglichkeit. Wie der Frankfurter Lokalhoriker Eckhard
Reiß zu berichten weiß, waren die zur Großen-, Bäcker- und Rätschmühle
gehörenden Teiche moorig und mit Seerosen bewachsen. Die Bäckermühle war
aber schon damals ein Ausflugsort, wovon noch eine Postkarte zeuge, auf der
ein Fachwerkhaus mit Walmdach und ein Teich mit viel Schilf zu erkennen ist.
Nach Reiß´ Recherchen hieß der Eigentümer in den 1930er Jahren G.
Marschalleck, der letzte Besitzer sei nicht bekannt. Die Mühlen seien
bereits auf einem Meßtischblatt von 1895 verzeichnet gewesen.
Wem es heute am hiesigen Strand dennoch zu unruhig ist, und wer fern ab von
Grilldüften und einem Bierausschank baden möchte, sollte entlang der
Waldkante auf dem Betonplattenweg in Richtung Drzecin fahren. Von dort führt
eine Asphaltstraße nach Stare Biskupice. Wer schon vor der Ortschaft links
über das Feld fährt, findet am langgestreckten See mit großer Sicherheit ein
ruhiges Plätzchen. Hier herrschen paradiesische Zustände. Der See ist von
einem dichten Wald umgeben. Am anderen Ufer ist der Kirchturm zu sehen. Das
Wasser ist sauber und an der Oberfläche angenehm warm. Am schnellsten
erreicht man Stare Biskupice auf der Straße in Richtung Kostrzyn, von der
man in Drzecin abbiegen muß.
Sowohl von Bischofsee, wie die Ortschaft einst hieß, als auch von Drzecin
ist die Rückfahrt eine pure Freude: die immer neuen Ausblicke auf die
Frankfurter Skyline, machen neugierig. Der Oderturm wirkt von den hiesigen
Feldern und Wiesen aus stolz, fast erhaben. Die Wohnblöcke auf der Halben
Stadt scheinen Materie gewordene Theorie zu seinen, sie manifestieren den
Traum von großstädtischer Urbanität. Die Vorstellung, in eine Großstadt
zurückzukehren, gibt neuen Mut für den Alltag in Frankfurt Oder Słubice. 7.8.2002
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