|
(xan) Anetta Kostrzewska ist ihre eigene Frau. Die Künstlerin fällt in
Słlubice durch ihr selbstbewußtes wie betont fröhliches Auftreten auf. Sie
trägt selbst entworfene und genähte Kleider, sagt laut ihre Meinung und ist
zu jeder Untat bereit. Sie geht davon aus, dass die Straße, die heute nach
dem Komponisten Paderewski benannt ist, bald ihren Namen trägt und dass in
naher Zukunft ein Denkmal für Anetta Kostrzewska diese verschönern wird. So
erträgt sie das Leben in ihrer Stadt, die sie liebt und nicht leiden kann.
Anetta Kostzewska ist als Mode-Designerin tätig, entwirft Collagen aus
textilen Materialien und schreibt Gedichte und Geschichten. Bald wird sie
die Stadt verlassen, um mit Carsten Lindig, dem Mann ihrer Träume, den sie
einst auf dem Poetendampfer kennenlernte, nach Berlin zu ziehen. Gerade
haben die beiden die vielen bürokratischen Hürden überwunden, um in
Frankfurt (Oder) heiraten zu können, und schon taucht am Horizont ein
kleines, aber feines Hindernis ganz anderer Natur auf. Genau am Wochenende
der Eheschließung soll die Oderbrücke verschoben werden. Dabei hatten die
beiden doch geplant, in Frankfurt zu heiraten und in Słubice zu feiern.
Anetta Kostrzewska meint entschieden: "In Polen feiert es sich schöner". Nun
muß ihr Mann eine Lösung finden, wie er die Gäste der Feier über die
Autobahnbrücke zum Ort des Geschehens und zurück schaffen kann.
"Wahrscheinlich muß ich einen Bus besorgen", meint Anetta am Telefon. "Die
Deutschen haben immer Angst um ihre Autos, auch wenn sich neben dem
Restaurant ein bewachter Parkplatz befindet". Aber egal ob mit Ballon, per
Hubschrauber oder via Fähre die beiden wollen einander in Frankfurt das
Ja-Wort geben und in Słubice bis in den Morgen feiern.
15.8.2002
|