© Ragnar Knittel: Brutale Idylle

slubice.de & frankfurt.pl erkundete:

Das Glück am Wegesrand -
ein Ausflug nach Ośno.


Ośno liegt 25 Kilometer von Frankfurt Oder Słubice entfernt. Das frühere Drossen ist heute ein wichtiger Erholungsort im polnischen Umland. Obwohl die Altstadt im Mai 1945 ähnlich wie in Frankfurt und Crossen abbrannte und später nicht wieder aufgebaut wurde, ist eine durchgehende mittelalterliche Stadtmauer erhalten. slubice.de & frankfurt.pl machte sich mit dem Fahrrad auf den Weg in die Stadt inmitten von Wäldern und Seen.

(xan) Im Słubicer Stadtpark hinter der alten Kirche steht ein Mann und gräbt unter hohen Bäumen im feuchten Boden. "Was suchen Sie", frage ich im Vorbeifahren. Er dreht sich um und ruft mit rauher Stimme "Glück."

Im Wald hinter Drzecin folgen wir mit Fahrrädern einem Waldweg. In der von der Europäischen Union finanzierten Reisekarte "Dies- und jenseits der Oder" ist der Weg als europäischer Fernwanderweg E11 ausgeschildert. Im Wald gibt es kein Zeichen. In der Karte führt der Weg geradeaus. In Wirklichkeit gibt es viele Gablungen und Abzweigungen. In der kargen Landschaft fällt die Orientierung mit europäischen Karten schwer.

Nähert man sich Ośno auf der Straße, erblickt man zuerst inmitten von Wäldern, gleich hinter den ersten Hügeln, die sich über den gerade erst gemähten Feldern erheben, einen feinen barocken Kirchturm auf gotischem Mauerwerk. Einen Übergang von dem breiten Turm zur Spitze bildet an jeder Seite ein Zifferblatt aus einem späteren Jahrhundert. Die Uhr geht richtig, sie erklingt aber unabhängig von der Zeit drei mal hell und zwei mal dunkel.

Am Eingang der Stadt zieht sich zur rechten Hand eine alte Mauer entlang der Straße, kurz dahinter beginnt auf der linken Seite eine neue Mauer. Zur rechten Hand lag der gewaltige Friedhof der Stadt Drossen, heute sind nur die alten Alleen zu erkennen. In der Friedhofsmauer sind die Öffnungen der einstigen Grabsteine zu sehen. Zwischen den mit Efeu berankten Bäumen steht noch ein verrostetes schmiedeeisernes Gitter. Eine Familiengruft liegt offen und leer im Schatten der Mauer. Im der Stadt zugewandten Teil des Geländes befinden sich mit Kunstblumen geschmückte polnische Grabmäler aus den 1940er und 1950er Jahren.

Bevor man in die Stadt fährt, sollte man sie umrunden. Die durchgehende Mauer gibt dem Besucher mit ihren vielen Durchgängen, Toren und Türmen die Möglichkeit, in die Vergangenheit zu reisen. Ein klarer Bach scheint hier seit Jahrhunderten zu fließen. In den Hinterhöfen vergeht die Zeit langsamer.

Fährt man über das Kopfsteinpflaster auf den einstigen Markt von Drossen erblickt man nichts als eine breit angelegte Straße und drei ausladende Stahlbeton-Pavillions aus den 70er Jahren. Eine vormalige Kaufhalle mit einer Glasfasade steht leer, das "Restaurant & Café zum Turm" lädt in nostalgischem Chic zu Verweilen, im dritten Gebäude befinden sich ein Lebensmittelgeschäft und ein Haushaltwarenladen. Dreht man sich nun um, erblickt man ein spätgotisches Rathaus und dahinter die gewaltige Kirche. 29.8.2002

- Weitere Informationen zur Geschichte und Gegenwart der Kreisstadt finden Sie unter www.osno.pl.