© Ragnar Knittel: Promenade

slubice.de & frankfurt.pl rät:

Ein Schluck Mitteleuropa -
Mineralwasser gegen den Durst.


(xan) Vor einiger Zeit wurde an der Viadrina die Frage nach der Bedeutung von Mitteleuropa als Literaturlandschaft und Ort der Erinnerung in der Gegenwart diskutiert. Die Anworten der Anwesenden waren sehr persönlich, zu einem Ganzen ließen sie sich nicht fügen. So muß weiterhin jeder, dem danach ist, nach seinem Mitteleuropa suchen. Dabei tun sich an der deutsch-polnischen Grenze ungeahnte Abgründe auf: gehört das Gebiet an der Oder mit dazu? In welcher Konzeption wurde die eigenartige Rolle der DDR berücksichtigt? Handelt es sich um ein Gebiet der verschwimmenden Grenzen, der historisch geprägten Übergänge, der transnationalen Vermischung oder vielmehr um eine geteilte Landschaft, die lange nach dem Mitteleuropa des frühen 20. Jahrhunderts entstand und in den 1980er Jahren, als sich Intelektuelle in Prag, Budapest, Sarajevo und Warschau fragten, ob es nicht ein Reich zwischen Ost und West gebe, am Rand lag? Egal wie man Mitteleuropa definiert — ohne Berlin ist der Begriff nicht zu denken. Und wer von Berlin nach Warschau oder Wilna gelangen will, muß durch Frankfurt Oder Słubice fahren...

Wem all diese Überlegungen zu abwegig erscheinen, kann in der Słubicer Zigarettenstraße eine Flasche "Zywiec Zdroj" kaufen. Er erwirbt damit in diesen heißen Sommertagen nicht nur ein erfrischendes Mineralwasser, sondern auch einen garantiert echten Schluck Mitteleuropa. Auf der Flasche bürgt dafür ein Portrait von Franz Josef, dem letzten großen Herrscher der K&K-Monarchie. Dieser als Marketingträger im heutigen Polen stellt ein Stück lebendiges Mitteleuropa dar. Davon kann man sich auf der anderen Seite der Flasche überzeugen. Dort ist eine junge Frau mit einem Säugling abgebildet. Das Wasser scheint also der Fortpflanzung des Mitteleuropagedankens nicht im Wege zu stehen. 17.9.2002