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(mjh) Die neue kulinarische Entdeckung Słubices bringt uns das Flair des
Nildeltas an die Oder. Sie trägt den Namen "Ramzes" und zeugt davon, dass
die aktuell in Polen ihren Höhepunkt erreichende Popularität für ägyptische
Restaurants auch am Rande des Landes angekommen ist. Ähnliche Lokale, mit
ähnlichem Menü, sogar ähnlicher Ausstattung, und mit solch exotisch
klingenden Namen wie "Piramida" oder "Sphinks", gibt es bereits in vielen
anderen Städten. Das Lokal ist für den gemeinen Słubice-Besucher leicht zu
finden. Es liegt am Ende der 'Zigarettenstraße' - der belebtesten
Fußgängerzone Frankfurt Oder Słubices - der ulica Jedności Robotniczej, nur
wenige Schritte hinter dem beliebten Gemüsehändler im Erdgeschoss des
einstigen Słubicer Rathauses.
Das ehemalige Rathausgebäude, das nun unter dem eleganten Namen "Hotel Euro"
sein neues Leben begonnen hat, beherbergt im Erdgeschoss ein Restaurant, an
dem eigentlich viel auszusetzen wäre. Zum Beispiel die großen Fenster mit
Blick auf die Straße. Durch diese erkennt man von außen nur mit einer
plattgedrückten Nase etwas. Die Fassade des Hauses ist längst nicht fertig
und im Inneren ist ebenfalls mehr als ein letzter Pinselstrich erforderlich.
Ganz zu schweigen von der Bedienung, die zwar ausgesprochen nett ist, aber
dennoch dem Aussehen nach aus Halbstarken der Umgebung besteht, die ihre
Erfahrungen in der Gastronomie seit nunmehr zwei Wochen gesammelt haben. Die
Übersetzung der Speisekarte, die mit Spezialitäten wie "Ramzes-Semmel",
"Hähnechen", "Farce" und "Sandwich Girl" lockt, wäre ein Thema für sich.
Das Meckern ist bekanntermaßen unsere Sache nicht, also folgen nun die
Komplimente. Das Lokal ist angenehm - etwas prätentiös, aber hübsch. Die
Ägypten-Masche ist konsequent durchgezogen worden, auch wenn die Bedienung
nicht als Mumie verkleidet auftritt. Es gibt sogar Wandmalereien mit
Hieroglyphen (ein Königreich für eine Übersetzung!). Selbst die Namen der
Speisen klingen nach Nilgeflüster, auch wenn es sich sowieso nur um Huhn-,
Schweine- und Rindfleischgerichte mit Pommes handelt. Maisbrot gibt's auch
dazu, und auf Wunsch griechischen Salat, der hier seltsamerweise
"Kleopatra-Salat" heißt.
Der erfahrene Słubice-Besucher weiß ohnehin, dass man hier zu einem fairen
Preis essen kann. Für alle Anderen: ein gutes Mittagessen für zwei
Personen kann man bereits für 7 Euro erstehen. Das ist für polnische
Verhältnisse nicht super-billig, aber allein die Zahl der Studenten, die
täglich zum Essen hierher kommen, zeigt, dass sich nicht nur die besser
Verdienenden einen Besuch in der Słubicer Außenstelle des ägyptischen
Kulturbunds leisten können. Es ist in jedem Falle eines der besseren
Restaurants auf Słubicer Seite. Wenn der Umbau irgendwann beendet wäre, man
an den Kleinigkeiten arbeiten (Speisekarte!) und vielleicht auch weibliches
Personal engagieren würde, könnte es zweifellos zu einem Ort werden, an dem
man Besuchern von drüben das 'gute, polnische Essen' präsentiert. Was wird
nur der Pharao dazu sagen? Nicht mal im Grab kann er sich umdrehen...
- Adresse: Ecke ulica Wojska Polskiego / ulica Jedności Robotniczej
- Öffnungszeiten: täglich von 12.00 bis 23.00 Uhr
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