© Ragnar Knittel: Promenade

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Ägyptisch essen in Słubice -
wer hätte das gedacht.


(mjh) Die neue kulinarische Entdeckung Słubices bringt uns das Flair des Nildeltas an die Oder. Sie trägt den Namen "Ramzes" und zeugt davon, dass die aktuell in Polen ihren Höhepunkt erreichende Popularität für ägyptische Restaurants auch am Rande des Landes angekommen ist. Ähnliche Lokale, mit ähnlichem Menü, sogar ähnlicher Ausstattung, und mit solch exotisch klingenden Namen wie "Piramida" oder "Sphinks", gibt es bereits in vielen anderen Städten. Das Lokal ist für den gemeinen Słubice-Besucher leicht zu finden. Es liegt am Ende der 'Zigarettenstraße' - der belebtesten Fußgängerzone Frankfurt Oder Słubices - der ulica Jedności Robotniczej, nur wenige Schritte hinter dem beliebten Gemüsehändler im Erdgeschoss des einstigen Słubicer Rathauses.

Das ehemalige Rathausgebäude, das nun unter dem eleganten Namen "Hotel Euro" sein neues Leben begonnen hat, beherbergt im Erdgeschoss ein Restaurant, an dem eigentlich viel auszusetzen wäre. Zum Beispiel die großen Fenster mit Blick auf die Straße. Durch diese erkennt man von außen nur mit einer plattgedrückten Nase etwas. Die Fassade des Hauses ist längst nicht fertig und im Inneren ist ebenfalls mehr als ein letzter Pinselstrich erforderlich. Ganz zu schweigen von der Bedienung, die zwar ausgesprochen nett ist, aber dennoch dem Aussehen nach aus Halbstarken der Umgebung besteht, die ihre Erfahrungen in der Gastronomie seit nunmehr zwei Wochen gesammelt haben. Die Übersetzung der Speisekarte, die mit Spezialitäten wie "Ramzes-Semmel", "Hähnechen", "Farce" und "Sandwich Girl" lockt, wäre ein Thema für sich.

Das Meckern ist bekanntermaßen unsere Sache nicht, also folgen nun die Komplimente. Das Lokal ist angenehm - etwas prätentiös, aber hübsch. Die Ägypten-Masche ist konsequent durchgezogen worden, auch wenn die Bedienung nicht als Mumie verkleidet auftritt. Es gibt sogar Wandmalereien mit Hieroglyphen (ein Königreich für eine Übersetzung!). Selbst die Namen der Speisen klingen nach Nilgeflüster, auch wenn es sich sowieso nur um Huhn-, Schweine- und Rindfleischgerichte mit Pommes handelt. Maisbrot gibt's auch dazu, und auf Wunsch griechischen Salat, der hier seltsamerweise "Kleopatra-Salat" heißt.

Der erfahrene Słubice-Besucher weiß ohnehin, dass man hier zu einem fairen Preis essen kann. Für alle Anderen: ein gutes Mittagessen für zwei Personen kann man bereits für 7 Euro erstehen. Das ist für polnische Verhältnisse nicht super-billig, aber allein die Zahl der Studenten, die täglich zum Essen hierher kommen, zeigt, dass sich nicht nur die besser Verdienenden einen Besuch in der Słubicer Außenstelle des ägyptischen Kulturbunds leisten können. Es ist in jedem Falle eines der besseren Restaurants auf Słubicer Seite. Wenn der Umbau irgendwann beendet wäre, man an den Kleinigkeiten arbeiten (Speisekarte!) und vielleicht auch weibliches Personal engagieren würde, könnte es zweifellos zu einem Ort werden, an dem man Besuchern von drüben das 'gute, polnische Essen' präsentiert. Was wird nur der Pharao dazu sagen? Nicht mal im Grab kann er sich umdrehen...

- Adresse: Ecke ulica Wojska Polskiego / ulica Jedności Robotniczej
- Öffnungszeiten: täglich von 12.00 bis 23.00 Uhr