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(xan) Wenn heute der Europagarten offiziell eröffnet wird, beginnt ein
Kulturmarathon, wie ihn Frankfurt und Slubice so bald nicht wieder erleben
werden. Im Zentrum wird der neu gestaltete Ziegenwerder stehen, auf dem die
meisten Veranstaltungen stattfinden. Damit haben die Macher einen
Schwerpunkt gewählt und dafür gesorgt, dass dem Konzept der Gartenschau,
einer festtäglichen Variante der Blühenden Landschaften, wie sie einst von
Helmut Kohl angekündigt wurden, eine Vision der geistigen und kulturellen
Entfaltung entgegengesetzt wurde. Die Entscheidung, den Europagarten auf dem
Ziegenwerder auszurufen, ist somit ein Schritt in Richtung des gemeinsamen
Flusses, aber sie verkörpert auch den Rückzug aus beiden Städten, in denen
doch eine Reihe von Infrastrukturprojekten geplant und realisiert wurden. So
ist zu hoffen, dass dieser Magnet Besucher an die Oder zieht, von wo sie
ausströmen können, um zwei Städte mit einer geteilten Vergangenheit und
einer gemeinsamen Zukunft zu entdecken.
Mit dem Eröffnungskonzert der polnischen Sängerin Kayah zum Beispiel werden
Hunderte Slubicer zum ersten Mal in ihrem Leben den Ziegenwerder betreten,
der bisher genauso wenig auf ihrer mentalen Karte verzeichnet war, wie es
die Löweninsel bei den meisten Frankfurtern ist. Ob so viele Frankfurter
auch den Weg zu einem der Slubicer Europagartenprojekte finden, ist
fraglich. Dabei würde es ausreichen, einen Schritt hinter den noch immer
frequentierten Polenmarkt zu gehen. Das einstige Ostmark-Stadion wurde
gerade mit EU-Geldern saniert. Einmal am Stadion mit der
geheimnisumwitterten Eiche angelangt, ist es ein Muß, den Städtischen
Friedhof von Slubice aufzusuchen. Die Rückseite einer alten Mauer des
einstigen Dammfriedhofs ist eines der wenigen erhaltenen Zeugnisse der
deutschen Vergangenheit von Slubice. Von hier könnte man den Spaziergang
hinter dem Stadion durch einen prächtigen Buchenwald fortsetzen, in dem noch
die Rinne einer Rodelbahn zu erkennen ist, an die sich viele alte
Frankfurter gerne erinnern. Fast genau auf der Kuppe des Hügels kann man die
Ruinen des Kleist-Turmes - einst ein beliebtes Ausflugslokal - aufsuchen.
Von hier eröffnet sich der Blick auf ein Projekt des Europagartens, das von
den Slubicer Organisatoren unauffällig fertig gestellt wurde, ohne es an die
große Glocke zu hängen - eine idyllisch gelegene Siedlung für die Neureichen
und Prominenten der Stadt. Hier haben sich der amtierende Bürgermeister, der
ehemalige Vize-Wojewode und andere einflussreiche Figuren mit EU-Geldern
Straßen asphaltieren, Wege pflastern und Gasleitungen legen lassen. Die
Grundstücke würden bei dem gemeinen Frankfurter Häuslebauer puren Neid
hervorrufen. Aber dieser wird kaum den Weg durch die ulica Sportowa, einst
Am Hängebusch, finden, um die von der Stadt abgewandte Siedlung in
Augenschein zu nehmen. In dieser Straße kann man nebenbei noch einen Blick
auf die Wetterstation werfen, die bis 1998 noch die Informationen über Regen
und Sonnenschein für Frankfurt (Oder) lieferte.
Einen ähnlich abwechslungsreichen Spaziergang könnte man auch durch
Frankfurt (Oder) unternehmen. Dort sind an wesentlich mehr Stellen im
Stadtbild neue Akzente gesetzt worden. Egal ob an der Oderpromenade, in der
Bischofstraße, am Anger oder in der Heilbronner Straße - überall künden
frisch gepflanzte Bäume, Sträucher und Blumen von einem Garten. So wird es
auf dem Ziegenwerder auch ein Treibsandreisebüro geben, das unter anderem
historische Stadtspaziergänge durch beide Städte anbietet. Auf dass nicht
nur die Besucher von außerhalb Frankfurt Oder Slubice entdecken, Mücken die
einzige Naturplage an der Oder sein werden und die Gäste wie Ameisen auf die
Insel strömen. 9.5.2003
- Das Wetter an der Oder: www.slubice.de/texte/020531.html
- Ein historischer Stadtführer: www.slubice.de/stadtfuehrer
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