© Ragnar Knittel: Promenade

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Reelcash und überbackene Bananen –
polnisch-asiatische Gastronomie.


(xan) Dunkle Tische, mit postsozialistischem Samt bezogene Stühle, lila Deckchen, eine chinesische Vase mit einer echten Rose, in der Ecke zwei Spielautomaten der Marke "Reelcash" und an der Decke rote Ballonlampen. Die Bar "Jan Min" an der Straße Wojska Polskiego, kurz vor dem Słubicer Busbahnhof ist gemütlich und abstoßend zu gleich. Die vordergründig asiatische Bar entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als Hort volkspolnischen Brauchtums. Gepflegte Selbstbedienung, die Pflege altertümliche Grünpflanzen und ein plastisch-elastisches Interieur als Hommage an vergangene Zeiten vermitteln den Gästen ein heimisches Gefühl. Zu den diversen Reis- und Nudelgerichten wird mit Rücksicht auf polnische Essgewohnheiten der obligatorische Krautsalat gereicht. Der Tee, selbstverständlich im henkellosen Glas, wird mit einem Stück Zitrone gereicht, das einst Luxus bedeutete. Nachdem ein vietnamesischer Koch die Küche geleitet hatte, scheint diese nun fest in den Hängen der ortsansässigen Polen zu sein. Ob man Szang-Haj-Ente oder Bigos kocht, ist im Grunde genommen auch egal. Die Arbeit in der Küche ist in jedem Falle schlecht bezahlt. So ist Alltag eingezogen und "Jan Min" versteht sich nicht mehr als Hort der gastronomischen Erlebniskultur. Dennoch ist das Essen zu genießen. Es ist nicht weniger tiefgefroren als die asiatischen Gerichte, die am deutschen Ufer gereicht werden. Aber es wird nach den Rezepten des verschwundenen Kochs frisch aufgewärmt. Zusammen mit dem Lärm der "Reelcash" Maschinen und der überbackenen Banane als Pflicht-Desert bietet die Bar "Jan Min" das Ambiente, um in eine ganz fremde und doch vertraute Welt abzutauchen.

Bar "Naj Min" – Kuchnia Azjatycka

- ul. Wojska Polskiego – neben dem Busbahnhof
- geöffnet täglich von 10 – 22 Uhr, sonntags 11 – 20 Uhr
- telefonische Bestellungen unter +44 (95) 758 00 58