© Ragnar Knittel: Promenade

slubice.de & frankfurt.pl lamentiert:

Hotel Kaliski:
Tempel der Gastfeindschaft


(xan) Man gibt sich freundlich und professionell und der Kunde ist König. So nannte sich das Słubicer "Hotel Euro" im Handumdrehen in "Hotel Kaliski" um, nachdem sich Kunden über den plumpen Namen beschwert hatten. Das Restaurant des Hauses, von slubice.de & frankfurt.pl zu Beginn als deutsch-polnisch-ägyptischer Freundschaftstempel gefeiert, heißt noch immer "Ramzes" und zieht von Monat zu Monat mehr deutsche Gäste an. Die Euphorie ist inzwischen nachhaltig verflogen.

So bestellte ein Mitglied der Redaktion in heller Vorfreude auf die EU-Erweiterung bereits Wochen zuvor drei Doppelzimmer für das "Hotel Kaliski". Die Reservierung wurde vermerkt und als weitere Zimmer hinzukamen, wurde versichert, alles sei gerichtet. Noch eine Woche vor dem großen Ereignis, es waren bereits sechs Doppelzimmer für die Gäste reserviert, bestätigte der Direktor des Hotels persönlich die Reservierung: "Ja, alles geht klar. Aber, wenn weitere Zimmer dazu kommen, müssen wir mal nachzählen", meinte er. Drei Tage vor dem 1. Mai rief ein Mitarbeiter in der Redaktion an, um mitzuteilen, dass alle Reservierungen annulliert wurden, weil sich eine große Gruppe eingestellt habe, Stammkunden, da könne man nichts machen. Im Gespräch mit dem Direktor des "Hotel Kaliski", erklärte er, dass dies in Polen so üblich sei, schließlich hätten wir keine Anzahlung geleistet und überhaupt sei er zu nichts verpflichtet. Auf die Frage, warum er dies nicht bei der Reservierung hinzugefügt hatte und noch vor wenigen Tagen diese bestätigte, antwortete er: "Wissen sie, in Polen kann man sich auf nichts verlassen, ich habe die Hotelfachschule besucht, und ich weiß, was sich gehört". Nach zwanzig Minuten fühlte er sich gemüßigt, andere Słubicer Hotels anzurufen, um festzustellen, dass alle belegt sind. So kamen die Gäste hinter der Eisenbahnstation im Hotel Baranowski unter, wo man der Redaktion versicherte, dass die Worte "Reservierung" und "Rezerwacja" einander entsprechen und dass es in Polen durchaus üblich sei, sie auch als verbindlich zu interpretieren.

Nun hätte man die unangenehme Begebenheit nach den Maifeierlichkeiten gerne vergessen. Doch vor einigen Wochen gastierte das Warschauer Theater Rozmaitosci in Słubice. Da nach der Vorstellung bereits alle Restaurants außer dem "Ramzes" geschlossen waren, kehrte dort gegen halb Zwölf eine zwanzig-köpfige Gruppe von Schauspielern, Technikern mit dem Regisseur ein. Nachdem man bereits zwanzig Minuten gewartet hatte, vertröstete der Kellner erneut, um kurz nach Mitternacht die Bestellung aufzunehmen. Nun stellte sich heraus, dass die Küche geschlossen ist - seit Mitternacht. In der Diskussion zeigte sich die Hotelleitung erneut sehr freundlich und entschieden - so sei das eben in Polen. Dererlei Erfahrungen werden von vielen Studenten der Viadrina bestätigt: "Die Mitternachtsnummer ist ganz normal", meint Iza. Ihre Freundin Agnieszka erzählt von häufigen Fällen, in denen die Rechnung nicht mit der Bestellung übereinstimme.

- Das Hotel Kaliski ist im Internet unter www.hotelkaliski.pl präsent
- Unsere europhorische Restaurantkritik: www.slubice.de/texte/030327.html
- Bessere Słubicer Hotels finden Sie unter http://slubice.info/snoclegi.html

Heidis Kommentar:

Liebe Leser, ich muss Ihnen ja mal sagen, dass das nicht so stimmt mit dem Ramzes. Also ich treffe mich da einmal im Monat mit den alten Kolleginnen vom Halbleiterwerk und wir finden es da sehr gemütlich. Da stimmt einfach alles. Vor allem ist die Bedienung sehr freundlich, das Essen ist billig und man wird auch richtig satt. Vielleicht gefällt es den Jungs da nicht, weil nur junge Männer bedienen, aber ich versicher Ihnen, dass die durchweg gut aussehen und sehr höflich sind. Alle solche Typen, die man gerne zum Schwiegersohn hätte, aber ich habe ja zwei Söhne. Also, wenn Sie Lust auf ägyptisches Essen haben, dann gehen Sie einfach ein bisschen früher als die Künstler hin! Mit freundlichen Grüßen Ihre Heide Laska | heidi@slubice.de