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Von Juliane Strauß
Wie wär´s mit einem Balkon ganz für dich allein oder mit Freunden
zum absoluten Nulltarif? In bester Slubicer Wohnlage, zur sonnigen Südseite
ausgerichtet, ausgestattet mit einem Tisch, drei Hockern, Grill und Holzkohle
und dazu noch extra für dich oder euch frisch gestrichen in deiner
Lieblingsfarbe? Na, klingt doch verlockend! Eine Besonderheit hat dieser Balkon allerdings: er ist in
Höhe des ersten Stocks an einem Baugerüst befestigt, das mitten auf dem Slubicer
"Plac Bohaterów", dem "Platz der Helden" steht.
Schön ist es dort! So ruhig. Nachdem man sich ein wenig
eingerichtet hat für 2, 3 oder 10 Stunden Probewohnen, die Wände hübsch
dekoriert, den Kaffee ausgepackt und sich in die Decke gekuschelt hat, kann man
einfach nur dasitzen, schnacken, der Sonne beim Unter- und den Passanten beim
Vorbeigehen zuschauen, Kaffee schlürfen und den Platz beobachten. Hat man Musik
dabei, Typ "Amélie", verwandelt sich der Platz unmerklich in eine
Filmszene. So hat man Slubice noch nie gesehen!
Ob man sich dabei nicht ein bißchen doof vorkommt, wie in einem
Schaukasten? Nein, erstaunlicherweise nicht. Zum einen fühlt man sich
überraschend schnell heimisch in seinen 3 Wänden. Zum anderen muß man
tatsächlich ab und zu mal aufstehen
und um die Balkonwand herum gucken, ob nicht doch vielleicht über, unter oder
neben einem noch 50 Balkone hängt - man kommt sich so überraschend normal vor!
Als säße man halt in einem normalen Plattenbau-Balkon, nicht in einem, der an
ein Baugerüst gebastelt mitten auf einem freien Platz steht. Schließlich nehmen
die Vorbeigehenden kaum Notiz von einem - haben die Menschen das Wundern
verlernt? Oder trauen sie sich nur nicht?
- Weitere Informationen gibt´s unter www.slubfurt.net
- Der Künstler im Internet:
www.hasucha.de
Die Redaktion warnt:
(xan) Achtung, Achtung: wohnen Sie nicht des nachts in Slubfurt
zur Probe! Sonst könnte Ihnen folgende Szene passieren: sie sitzen zu Hause auf
dem Balkon und bewundern die mondhelle Nacht bei einem Schluck Bier.
Irgendwann, nachdem lange keine Seele den Platz betreten hatte, tauchen am Fuße
des Luftgebäudes zwei Zivilpolizisten auf, leuchten die Probewohnung aus und
bitten auf die Straße. "Wir wohnen hier und laden Sie ein, zu uns zu
kommen", rufen die Bewohner zurück. Die Polizisten fackeln nicht lang und
erklimmen den ersten Stock, stehen mitten im Wohnzimmer und bitten die
Wohnung zu verlassen. "Meine
Herren, bitte überprüfen Sie unsere Daten hier oben, wir würden gerne noch ein
wenig verweilen". Der eine Polizist gibt den Bösen: "Wissen sie, wie
man in Deutschland kontrolliert wird, Beine breit, Hände an die Wand, wie bei
der Gestapo". Der andere versucht zu vermitteln: "Kommen sie mit uns
nach unten, sonst rufen wir den Einsatzwagen, sie kommen in Untersuchungshaft
und werden dem Amtsrichter vorgeführt". Während die nächtlichen
Probebewohner der Doppelstadt höflich darauf hinweisen, dass es sich um ein
angemeldetes Kunstprojekt handelt, wird der Böse ungeduldig: "Sind Sie
behindert? Haben Sie in der Schule nicht aufgepasst?". Erneute Versuche,
die Situation zu klären: "Schließlich haben wir niemanden gestört".
Der sanfte Polizist zeigt in den Himmel: "Wenn dem so ist, da haben eben
hier oben im dritten Stock die Nachbarn angerufen. Dzislaw Wisniewski meldete
eine nächtliche Ruhestörung." Inzwischen ist der Einsatzwagen vorgefahren,
die Gesellschaft begibt sich nach unten, die Pässe werden überprüft. Ein
versöhnlicher Ton wird angeschlagen: "Meine Herren, wir leben alle in
einer Stadt, in einer Welt und es gibt wirklich andere Probleme als virtuelle
nächtliche Ruhestörung auf einem virtuellen Balkon. Und außerdem sind Sie nun
auch jetzt Teil des künstlerischen Projekts!". Der sanfte Polizist
erwidert: "Ja sehr gerne." Der böse: "Und wenn ich auf die Brücke scheiße, dann ist das auch
Kunst, oder? Und was ist, wenn das jemanden stört?" "Mit dem
Unterschied, dass es sich hier um ein genehmigtes Projekt handelt, der
Bürgermeister, der Stadtarchitekt, das Kulturhaus, alle sind eingeweiht".
"Und was, wenn ich einfach auf die Brücke scheißen will, einfach so,
spontan, ist das dann auch Kunst?". Die Kontrolle von Visagen, Pässen,
Rücksäcken ergibt keine Anhaltspunkte. Nach einer mündlichen Verwarnung, dass
der Genuss von Alkohol im öffentlichen Raum verboten sei, wird der Versuch, in
Slubfurt zu nächtigen, abgebrochen. 28.10.2004
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