© Ragnar Knittel: Zwie Brücken

slubice.de & frankfurt.pl stellt vor:

Zwei Türme, vier Läden
Ein Einkaufsführer


Von Katharina Abels, Anna Toczynska, Anna Spiegel & Nancy Waldmann

Vor wenigen Tagen ist der letzte Geschäftsraum in den Zwillingstürmen am Ende der Stadtbrücke in Betrieb genommen worden. Was das neue architektonische Wahrzeichen der Doppelstadt zu bieten hat, haben Teilnehmer des Workshops für grenzüberschreitenden Lokaljournalismus in Erfahrung gebracht.

Turm Süd oben: Der Laden ohne Namen

Es ist der erste Arbeitstag von Ania und ihrem Bruder Andrzej. Der Frisörsalon hat soeben eröffnet, die erste Kundin war schon da. Andrzej, 27, ist seit elf Jahren Frisör. Stolz zeigt er die Palette der wählbaren Haarfarben und empfiehlt treffsicher eine passende. Er spricht deutsch. Über die Wahl des Standortes sagt er: "Die Lage des Geschäftes ist günstig. Und der Ausblick wunderschön!" Die Preise auch. Waschen, Schneiden, Föhnen kostet für Damen 6, für Herren 5 und für Kinder 4 Euro. "Es gibt viel Konkurrenz hier." Aber noch ist vieles offen, zum Beispiel der Name des Geschäftes oder die Preise für Extras wie bunte Kunststrähnchen oder Dauerwellen. Andrzej meint gelassen: "Eins nach dem anderen. Wir werden sehen, wie sich das Geschäft entwickelt." Zusammen mit seiner Schwester wird er montags bis freitags von 9 bis 18h und samstags bis ca. 16h waschen, schneiden, färben und föhnen. Mit Oderblick.

Turm Süd unten: Apotecus

Die neue Slubicer Apotheke ist in Wirklichkeit gar keine Apotheke. "Wir verkaufen keine rezeptpflichtigen Medikamente", erklärt die Verkäuferin. So kann man hier nur rezeptfreie Präparate sowie Naturheilmittel kaufen. Dennoch hofft man auf Laufkundschaft aus Deutschland. Den Phantasienamen Apotecus hat sich der neue Betreiber selbst ausgedacht. Aspirinbedürftige können hier von 8 bis 22 Uhr einkehren.

Turm Nord oben: Eine Touristeninformation in Slubice?

Bisher genügte es den meisten Besuchern der polnischen Grenzstadt, den Weg zu den beiden Polenmärkten, den billigsten Zigarettenkiosk und womöglich noch einen Friseur zu finden. Doch die Zeiten ändern sich. Bereits kurz nach dem Beitritt Polens zur EU entstanden die turmartigen Gebäude auf der polnischen Seite der Stadtbrücke. Im nördlichen befindet sich nun Slubices erste private Touristeninformation. Alles wirkt noch ein wenig provisorisch, da das Büro erst vor kurzem eröffnet hat. Auf die Frage nach Slubices Sehenswürdigkeiten weist die junge Angestellte des Touristenbüros zuerst natürlich auf das Nächstliegende hin: Slubice sei eben keine "touristische Stadt", erklärt sie fast entschuldigend, sondern verfüge über zwei Basare und viele Zigarettenländen. Nach einigem Nachfragen stellt sich allerdings heraus, dass diese Stadt für interessierte Besucher einiges mehr zu bieten hat als nur preiswerte Einkaufsmöglichkeiten. Ausflüge in die nähere Umgebung sind besonders lohnenswert für Wanderer und Angler, auch Fahrradtouren lassen sich von Slubice aus problemlos organisieren. Ein Hotelguide für Slubice und die umliegende Region, Stadtpläne, Wanderkarten und bald auch Radwanderkarten sind alle in der Touristeninformation erhältlich. Um in den Genuss typisch polnischer Küche zu kommen ist es übrigens empfehlenswerter, die großen Slubicer Restaurants links liegen zu lassen und sich direkt ins Collegium Polonicum in die dortige Mensa zu begeben. Da gibt es nämlich, laut Auskunft des Büros, sehr gutes polnisches Essen zu studentischen Preisen. Die Touristeninformation ist täglich von 8-16 Uhr geöffnet.

Turm Nord unten: Westzigaretten

Der Zigarettenladen im neuen gläsernen Brückenkopf ist schwer gefragt am frühen Nachmittag, die junge Verkäuferin hat alle Hände voll zu tun, die sich zeitweise bildende Schlange kurz zu halten. Ihre Schicht dauert zwölf Stunden. Nachts sei dagegen wenig Betrieb, erzählt sie. Trotzdem ist rund um die Uhr geöffnet, damit die Kundschaft nicht in die Zigarettenstrasse abwandert.. Die Preise für eine Stange bewegen sich zwischen zehn (Route66) und fünfzehn Euro (Davidoff). Dabei ist "West" die am meisten verkaufte Marke. Auch die Kunden kommen hauptsächlich aus Gegenden westlich der Oder. Und das im westlichsten Zigarettenkiosk Slubices.

Ein neues Wahrzeichen? Meinungen von Passanten
- Eine polnische Studentin: "Als ich sah, dass hier etwas entsteht, dachte ich, dass eine tiefgründige Idee dahinter steckt. Und jetzt, wenn ich hier vorbeigehe, schäme ich mich. Wie kann man gleich an der Grenze Zigaretten verkaufen? So ein Bild von dieser Stadt gefällt mir nicht."
- Ein Slubicer Taxifahrer: "Das sieht sehr schön aus. Und stört uns nicht. Aber frag¹ mal im Zigarettengeschäft. Die können mehr dazu sagen. Das ist eine Konkurrenz für sie."
- Eine Frau aus Deutschland:  "Sie brauchten so was hier nicht zu machen. Alles ist doch gleich in der Hauptstraße. Zigaretten, Frisör, ApothekeŠ"
- Ein Mann aus Deutschland: "Mir ist es egal." 4.11.2004

Der Workshop wurde von transkultura.net angeboten.  Informationen über einer ein nächstes Treffen erscheinen unterslubice.de/workshop