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Am Mittwoch, dem 26. Januar fand um 19.30 in der großen Aula des
Collegium
Polonicum die Abschlussdiskussion der Reihe Terra Transoderana zur
Frage
"Eine Region?" statt. Dabei wurden zu Beginn die
Ergebnisse der vom AStA der
Viadrina eingeleiteten Mediation zwischen den heutigen Besitzern
des
Schlosses Mierzęcin und Alexander von Waldow präsentiert.
Letzterer erhebt
als selbsternannter Familienvertreter und Mitglied der Preußischen
Treuhand
Ansprüche auf das frühere Anwesen Mehrenthin. Darauf Bezug nehmend
schrieb
sein Bruder, Professor für Theologie in den USA, einen
denkwürdigen Text
über das Verhältnis von Deutschen und Polen 60 Jahre nach Kriegsende.
Von Eberhard von Waldow
Da ich durch meine Familie eng mit dem ehemaligen Mehrenthin
verbunden bin,
interessiert mich die geplante Veranstaltung sehr, aber leider
kann ich von
Amerika aus nicht daran teilnehmen.
Ich glaube, daß ein gelungener Vermittlungsversuch in
Mehrenthin-Mierzęcin
zwischen den Alt- und Neueigentümern längst praktiziert wird. Die
Basis
dafür ist die Einstellung der beiden Seiten. Im Gegensatz zur
Preußischen
Treuhand müssen wir als Alteigentümer als Tatsachen anerkennen:
Das Problem
beginnt nicht mit der Enteignung 1945, sondern mit der
vertragswidrigen
Eroberung Polens durch Nazideutschland und die folgende Besetzung.
Das
verursachte in Polen
unsagbares Leiden und Zerstörungen, und 6,03 Mio.
Polen verloren dabei ihr Leben. In 1945 nach der Kapitulation
Deutschlands
schwang das Pendel dann einfach zurück. Nun litten viele
unschuldige
Deutsche, sie wurden enteignet, vertrieben oder auch umgebracht
(darunter
auch mein Vater).
Heute nach 60 Jahren ist es unmöglich, das Chaos von damals mit
juristischen
Kategorien vor Gerichten ungeschehen zu machen und Entschädigung
oder
Rückgabe von Eigentum zu verlangen. Im Blick auf die vielen Toten
ist das
einfach unwürdig.
Für uns Alteigentümer ist es ein unleugbarer Tatbestand, daß die
alten
Besitztümer als
Ergebnis einer unglücklichen Geschichte, die von
Deutschland in Gang gesetzt wurde, heute Polen gehören.
Damit habe ich aber noch nicht meine Heimat verloren. Die
Tatsache, daß das
alte Mehrenthin Teil meiner Heimat ist, bleibt bestehen. Wir
müssen
allerdings den Begriff "Heimat" etwas anders
interpretieren. Er muss von den
alten nationalistisch / ideologischen Inhalten - wie
"angestammte Heimat,"
"unverlierbarer Teil des deutschen Reiches" oder
"Eigentum" - befreit
werden. Aber leider operiert die Treuhand noch immer mit
antiquierten
Propagandaphrasen. Außerdem wird leicht vergessen, daß auch für
die Polen,
die in diesen Gebieten 1945 neu angesiedelt wurden, und für die,
die danach
dort geboren wurden, jetzt hier ihre Heimalt ist.
Das neue Verständnis von "Heimat" hat Marion Gräfin
Dönhoff in ihrer
unnachahmlichen Weise sehr klar und schön formuliert: "Wir
müssen lernen zu
lieben ohne zu besitzen." Ich kann meine Heimat noch immer lieben,
auch wenn
ich sie nicht mehr besitze.
Und nun kommt die andere Seite: Die polnischen Neueigentümer
sollten uns das
erlauben, weiterhin den Ort zu lieben, der heute ihr Eigentum ist.
Gerade
das ist in vorbildlicher Weise in unserem alten Mehrenthin geschehen.
Die
Neueigentümer haben uns Waldows Tür und Tor geöffnet, das als
Palac
Mierzęcin restaurierte Schloß als unsere Heimat zu besuchen. Nicht
nur das:
Sie haben ganz bewußt klar gemacht, daß sie mit ihrem
wiedererstanden
Mierzcin keine neue Geschichte für diesen Besitz beginnen wollten,
sondern
sie wollten die alte, mit dem Namen Waldow verbundene Geschichte
fortsetzen.
So prangt noch heute unser Familienwappen über dem Haupteingang
des
Schlosses, zahlreiche Erinnerungsstücke an unsere Familie sind im
Schloß
ausgestellt, und das Grab des letzten Eigentümers im Schloßpark
wird
liebevoll gepflegt.
Diese vorbildliche Haltung hat dazu geführt, daß uns Waldows heute
eine
herzliche Freundschaft mit den polnischen Neueigentümern
verbindet.
Diese Haltung und Leistung der Polen ist vorbildlich und
zukunftsweisend.
Was die Preußische Treuhand hier propagiert reißt nur alte Wunden
wieder auf
und droht Entwicklungen wie die in Mehrenthin / Mierzęcin
unmöglich zu
machen.
Was ist also der Kompromiß? 1. Als ehemalige Eigentümer müssen wir
die
Tatsachen anerkennen, die alten von 1939 und die neuen von heute.
- 2. Die
neuen Eigentümer sollten die Geschichte ihrer neuen Besitztümer
kennen und
respektieren. - Das
geschieht in Mehrenthin / Mierzęcin. Wir dürfen den Ort
lieben, und die neuen Eigentümer lassen uns lieben. 25.1.2005
- Weitere Informationen über die Veranstaltung am 26.1., 19.30 im
Collegium Polonicum finden Sie unter www.instytut.net
- Terra Transoderana ist ein Projekt von transkultura.net in
Zusammenarbeit
mit dem AStA der Viadrina sowie dem Kleistforum Frankfurt.
- Partner: Collegium Polonicum, Stadtbibliothek Frankfurt Oder,
Lehrstuhl für
Geschichte Osteuropas sowie Märkische Oderzeitung.
- Terra Transoderana wird von der www.koeber-stiftung.de gefördert.
- Eine Innensicht auf die dennoch erfolgte Mediation:
slubice.de/texte/050325.html
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