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60 Jahre nach Auschwitz
Auf der Slubfurter Stadtbrücke


Von Léontine Meijer Ich lief über die Brücke, es schneite und alle Geräusche waren gedämpft, fast leise. Alleine lief ich gehüllt in Schnee von Polen in Richtung Deutschland. Wenn mir jemand vor 10 Jahre in Amsterdam gesagt hätte, ich würde den 60. Jahrestag in einem polnischen Institut verbringen und mit Polen und Deutschen zusammenarbeiten, hätte ich es nicht geglaubt, wäre vielleicht sogar ein wenig beleidigt gewesen. Dieser Tag darf nicht wichtiger sein als der 59. Jahrestag, oder von mir aus jeder Tag, an dem Unrecht passiert und Menschen Leid angetan wird und doch ist für mich der außerhalb jeglichen Erklärbaren stehende Ort Auschwitz, wenn ich es abstrahieren muss, der Grund weshalb ich hier bin. Ein jüdisches meisje an der deutsch-polnischen Grenze. Man muss sich hüten, nicht in Klischees zu verfallen, in Banalität, aber ich bin dankbar gerade heute hier gearbeitet zu haben und auf der Brücke zwischen Deutschland und Polen zu laufen. Der gleiche Ort, wo am ersten Mai kurz nach zwölf Uhr sich der deutsche und  der polnische Außenminister kameradschaftlich einander die Hand gaben. Damit ist die mit dem Einmarsch deutscher Truppen  in Polen im September 1939 ausgelöste Teilung zwischen Ost- und Westeuropa zumindest politisch vorüber. Jetzt bin ich zuhause, habe eine Kerze angezündet und denke an meine nie gekannten Verwandten und an meine Eltern die 60. Jahre nachher noch immer das versteckte Kind in sich tragen, wann wird dies wohl vorüber sein? 31.1.2005