© Ragnar Knittel: Abendstimmung

slubice.de & franfurt.pl vermittelt:

COUCH statt BUS
Berlin - Słubice und zurück


Alle Züge zwischen Fürstenwalde und Frankfurt fallen vom 29.11. bis 03.12. aus. Für viele Pendler aus Berlin heißt das deutlich längere Fahrzeiten oder Urlaub nehmen, aber eine studentische Initiative zeigt, dass es auch anders geht. Slubicer Studierende bieten geplagten Kommilitonen Schlafplätze auf Sofas und Luftmatratzen, im Gegenzug versprechen die Berliner Studenten Quartiere für Nächte in der Großstadt. Begleitet wird diese Tauschaktion von einigen Veranstaltungen für die "neuen Bewohner" der Doppelstadt.

(ggg) Dezent weißt die Bahn schon jetzt mit einer "Vorankündigung" auf den Ausnahmezustand hin, der ab kommendem Montagabend für eine Woche zwischen Frankfurt und Berlin herrscht und den gesamten Schienenverkehr zwischen Fürstenwalde und Frankfurt lahmlegt und alle Bahnreisenden auf den Busersatz verweist. Das bedeutet nicht nur längere Fahrzeiten, im Schnitt ist der SEV eine halbe Stunde länger unterwegs, die Busse sind für deutlich weniger Passagiere ausgelegt und Gerangel um Sitz- und Stehplätze ist vorprogrammiert.

Viele Pendler wird diese Perspektive abschrecken, Berufspessimisten prognostizieren tonnenweise Krankmeldungen und leere Vorlesungsräume für die Notstandszeit. Vielleicht wird auch eine Autolawine über Frankfurt hereinbrechen oder die Hotels der Kleiststadt werden eine kurze Hochkonjunktur erleben. Noch lässt sich das Chaos nicht vorhersagen. Aber es gibt eine Alternative zum viertägigen Zwangsurlaub für alle Bus-Hasser. Die Initiative "COUCH statt BUS" setzt sich für die geplagten Berliner ein und schlägt Slubicer Studierenden einen unschlagbaren Handel vor: Zwei bis drei Nächte Notquartier für einen Berliner, der sich im Gegenzug mit einem Quartier in Berlin an einem der folgenden Wochenenden revanchiert.

Die Idee ist nicht neu, vor gut einem Jahr tauschten Frankfurter und Slubicer Studierende kurzerhand ihre Betten und probierten für einige Nächte mit Begeisterung und Neugier das Leben auf der anderen Oder-Seite, unter www.couch-surfing.com findet man kostenlose Schlafplätze in aller Welt - viele positive Berichte geben dem System recht. Für Slubicer und Berliner Studierende ist der Deal auch bestechend, die Zeitersparnis für beide Seiten durch die ausbleibenden Fahrten ist dabei nur ein Aspekt, ein paar Tage Slubice ist für die Berliner mindestens genauso spannend wie die Berlin-Nächte für die Slubicer.

Für einige Berliner ist die Woche eine gute Gelegenheit, dem totgesagten Frankfurter Nachtleben eine neue Chance zu geben. Die alternativen Partymatadore konkurrieren um das neue Publikum: die ausufernde Andrzejki-Party im SMOK am Mittwoch, Belarus-Party im Stadtwappen in der Fürstenwalderstr., die :grotte bietet neben einem Whatever-Jubiläum am Freitag und dem Platzangst-Standard-Samstag eine exklusive Tagträumer-Party mit "Latin-Techhouse-Tribal", das Theater Frankfurt hat eigens Spokenword aus Berlin geladen um einen neuen Poetry-Slam in der Ziegelstr. zu feiern, die mittwoschs-Reihe im Kleist Forum wird mit Think Tank: The Taste of History unterhaltsam politisch und das Hemingways versucht sich am Donnerstag in einer neuen Runde des Fritz' Kneipenquiz.

Unter allen Couchtauschenden Studierenden werden Freikarten für die Party- und Kulturlandschaft der Frankfurter Schienenersatzverkehr-Woche verlost. Die Initiative "COUCH statt BUS" wird durch die Unterstützung von KopierFritze und dem AStA der EUV ermöglicht. Anmeldung, weitere und aktuelle Infos unter www.slubice.de/couch und unter couch@slubice.de